Benchmarking nicht automatisch mit Kostensenkung gleichsetzen
Benchmarking vergleicht Kennzahlen, Leistungen oder Prozesse, um Unterschiede und Verbesserungspotenziale sichtbar zu machen. Im Facility Management werden häufig Kosten pro Quadratmeter, Energieverbrauch, Personaleinsatz oder Servicekennzahlen verglichen. Ein niedriger Wert ist jedoch nicht automatisch besser. Unterschiedliche Nutzungen, Gebäudequalitäten und Service Levels können erhebliche Abweichungen verursachen. Professionelles Benchmarking beginnt deshalb mit einer klaren Fragestellung: Soll Wirtschaftlichkeit, technische Performance, Servicequalität oder organisatorische Reife miteinander verglichen werden?
Benchmarking im FM vergleichbar gestalten
Kennzahlen nur bei vergleichbaren Definitionen und Rahmenbedingungen gegenüberstellen
Zwei Kostenwerte sind nur dann sinnvoll vergleichbar, wenn sie dieselben Leistungen enthalten. Ebenso kann der Energiebedarf eines Produktionsstandorts nicht unmittelbar mit einem Bürogebäude verglichen werden. Vor einem Benchmark werden deshalb Bezugsgrößen, Leistungsumfang, Nutzungsart, Betriebszeiten und Qualitätsstandards abgeglichen. Zusätzlich sollte bekannt sein, ob Werte brutto oder netto, inklusive oder exklusive bestimmter Kostenbestandteile berechnet wurden. Die methodische Vergleichbarkeit ist wichtiger als die Größe der verfügbaren Datenmenge.
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| Kosten | €/m² | Leistungsumfang |
| Energie | kWh/m² | Nutzungsart |
| Technik | Störungen/Anlage | Anlagenalter |
| Service | Reaktionszeit | SLA |
| Fläche | m²/Arbeitsplatz | Arbeitsmodell |
| Personal | FTE/Standort | Eigenleistungstiefe |
Vergleichbare eigene Standorte als besonders wertvolle Lernquelle verwenden
Interne Vergleiche besitzen häufig eine höhere Aussagekraft als allgemeine Marktdaten. Standorte innerhalb desselben Unternehmens arbeiten unter ähnlichen Standards und können dennoch unterschiedliche Kosten oder Qualitätswerte aufweisen. Diese Unterschiede ermöglichen gezielte Ursachenanalysen. Ein günstiger Standort kann eine besonders effiziente Lösung entwickelt haben, aber auch Leistungen nicht vollständig erbringen. Benchmarking dient deshalb nicht der automatischen Rangliste, sondern dem systematischen Verständnis, warum Unterschiede entstehen und welche guten Praktiken übertragbar sind.
Marktbenchmarks als Orientierung und nicht als pauschales Soll verwenden
Externe Benchmarkdaten helfen, die eigene Position im Markt einzuordnen. Sie sollten jedoch nicht ohne Kontext zu verbindlichen Zielwerten werden. Regionale Kosten, Tarifstrukturen, Gebäudekomplexität oder Vertragsmodelle können erhebliche Unterschiede verursachen. Ein guter Benchmark führt daher zunächst zu Fragen und nicht unmittelbar zu Kürzungen. Warum ist eine Leistung teurer? Wird dafür höhere Qualität oder Verfügbarkeit bereitgestellt? Gibt es strukturelle Ineffizienzen? Erst diese Analyse macht den Vergleich managementrelevant.
Benchmarking mit Verbesserungsprozessen und Entscheidungen verbinden
Der eigentliche Nutzen eines Benchmarks entsteht durch die daraus folgenden Entscheidungen. Auffällige Werte werden analysiert, Verbesserungsmaßnahmen entwickelt und später erneut gemessen. Gleichzeitig können gute Lösungen identifiziert und standardisiert werden. Benchmarking ergänzt damit PDCA und Reifegradmanagement. Richtig eingesetzt erhöht es Transparenz und Lernfähigkeit. Falsch eingesetzt kann es dagegen zu kurzfristigen Sparmaßnahmen und unerwünschten Fehlanreizen führen. Entscheidend ist deshalb immer der Zusammenhang zwischen Kennzahl, Leistung, Bedarf und Unternehmenswirkung.